3. GENDER SALON: Mit einem “anderen Blick” durch das Technische Museum Wien

Was macht Barbie im Technischen Museum und wer war Hypatia von Alexandria? Bei der Führung von Petra Unger am 27. Sep. 2006 standen die Leistungen von Frauen in Technik und Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Auch gesellschaftspolitische Themen und Erwartungshaltungen unserer Gesellschaft an Frauen wurden diskutiert.
Petra Unger, Kulturvermittlerin und akademische Referentin für feministische Bildung und Politik, führte die TeilnehmerInnen des 3. GENDER SALONS durch das Technische Museum Wien und machte anhand ausgewählter Objekte die Beiträge von Frauen zur Technikgeschichte deutlich.
Unger wies dabei explizit auf die Technikkompetenz von Frauen hin, deren Beiträge und Leistungen auch deshalb nicht sichtbar wurden und werden, weil sie zum Teil in Bereichen erbracht werden, die nicht dem Feld der Technik zugerechnet werden, wie z.B. die Textilindustrie.
Dennoch, so Unger:
„Frauen und Männer haben die Geschichte geprägt - auch die Technikgeschichte. Frauen erforschen Technik, erfinden Technik, arbeiten mit Technik und gehen mit Technik um. In der Vergangenheit ebenso wie in der Gegenwart.
Ihre bedeutende Rolle in den jeweiligen Bereichen wird unterschätzt, verschwiegen oder ausgeblendet. Häufig auch überblendet von altbekannten Geschlechtermythen, die Frauen technische Begabung und Kompetenz absprechen.“
Der Rundgang machte sichtbar, dass Frauen von der Antike weg bis ins 21. Jahrhundert ebenso innovativ und forschend tätig waren, wie ihre viel bekannteren und anerkannteren Kollegen.
Anhand eines ausgestellten Sternenhöhenmessers („Astrolabium“) schildert Unger die Lebensgeschichte von Hypatia von Alexandria, einer Mathematikerin, Astronomin und Philosophin, die im 4. Jhd. in Alexandria tätig war und als Vorsitzende der neoplatonischen Schule von Alexandria auch viele bedeutende Männer unterrichtete.
Ein Spiegelteleskop verweist auf Karoline Herschels Beitrag zur Entdeckung des Planeten Uranus. Unger thematisierte die wissenschaftlichen Leistungen von Marie und ihrer Tochter Irène Joliot-Curie ebenso wie die gesellschaftspolitischen Anstöße, die die Leidenschaften von Ida Pfeiffer, Weltreisende und Entdeckerin im 19. Jhd., und die der ersten Ballonfahrerinnen und Fliegerinnen wie Käthe Paulus und Bozena Langlerova mit sich brachten.
Auch die Leistungen von Frauen, die keinen oder wenig Eingang in die Geschichtsbücher fanden, wurden bei der Führung deutlich: Die schwere Arbeit von Arbeiterinnen über Tage im Salzbergbau sowie die Doppelbelastung von Beruf und Familie, die z.B. Arbeiterinnen in den Ziegelfabriken, in der Eisenverarbeitung und der Stahlindustrie zu tragen hatten.
Neben der Vielzahl von technischen Objekten finden sich im Technischen Museum auch Exponate in Kontexten, mit denen BesucherInnen nicht rechnen, so sind z.B. in der Abteilung für Salze und Kunststoffverarbeitung Barbie-Puppen ausgestellt. Die Barbie-Puppe besteht aus PVC (Polyvenylchlorid), einem salzhaltigen Kunststoff und fand deshalb Eingang in diesen Bereich. Unger nimmt das beliebte Spielzeug vieler Mädchen zum Anlass, um mit den TeilnehmerInnen über die gesellschaftliche Rollen- und Körperbilder von Frauen und Mädchen nachzudenken.Im Technischen Museum Wien wird kaum explizit auf die Beiträge von Frauen zur Technik hingewiesen. Im Sinne von „Du siehst nur, was du weißt.“ wird es den TeilnehmerInnen dieser Führung jetzt möglich sein, einen „anderen“ Blick auf die ausgestellten Objekte zu werfen und Leistungen von Frauen in der (Technik)Geschichte darin wieder zu finden.
Links:
- Technisches Museum Wien
- Petra Unger - Unbekanntes Wien - Autorin von "Wiener Frauenspaziergänge"
Download:
Handout zur Führung Frauen-Technik/Technik-Frauen
Zusammengestellt von Mag.a Susanne Falk
Der Beitrag wurde am Freitag, den 29. September 2006 um 17:25 Uhr von Ursula Weilenmann veröffentlicht und wurde unter Frauen in Technik und Naturwissenschaften, Gender und Bildung, Veranstaltungen, GENDER SALON abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Trackbacks sind derzeit nicht erlaubt.
























