5. GENDER SALON: Gendersensible Didaktik an Hochschulen und in der Erwachsenenbildung

Mag.a Michaela Gindl, Donau-Universität Krems, und Mag. Günter Hefler, 3s research laboratory, sprachen am 21. Februar 2007 im Rahmen eines GENDER SALONS an der FH Campus Wien über gendersensible Didaktik in der Erwachsenenbildung.
Die Vortragenden, die gemeinsam einen Leitfaden für gendersensible Didaktik verfasst haben - der Erscheinungstermin ist für 2007 geplant - definieren „Gendersensible Didaktik“ nicht über besondere Methoden, sondern vor allem über ihre Ziele:
Wir verstehen unter gendersensibler Didaktik die bewusste Nutzung von genderrelevanten Inhalten und des allgemeinen didaktischen Instrumentariums
- um auf die Bedürfnisse aller TeilnehmerInnen einzugehen
- damit alle in gleichem Maß von einem Lernangebot profitieren können
- um allen TeilnehmerInnen zu ermöglichen, ihre Genderkompetenz auszubauen.
Wirkungsweise gendersensibler Didaktik
- Gendersensible Didaktik stellt einerseits sicher, dass Frauen und Männer gleichberechtigt von Lehrangeboten profitieren und Lehrangebote nicht unbemerkt zu einem Frauen oder Männer benachteiligenden Geschlechterverhältnis beitragen.
Unter diesem Aspekt geht es um die Einhaltung von Standards in der Gestaltung von Lehrangeboten.
- Gendersensible Didaktik möchte andererseits Angebote setzen, um Individuen im Aufbau und in der Entwicklung ihrer Genderkompetenz zu unterstützen.
Gindl und Hefler schlagen vor, folgende Punkte zu beachten, um alle TeilnehmerInnen einer Lehrveranstaltung bei ihrem Lernprozess zu unterstützen:
Soziale Prozesse gestalten, um Partizipation und Handlungsmöglichkeiten für alle zu emöglichen
Gendersensible Didaktik hat zum Ziel, die Gruppenkultur zu gestalten: Es wird weniger auf (vermeintlich) typisch weibliches oder männliches Verhalten von TeilnehmerInnen reagiert, als an einer Kultur gearbeitet, in der sich alle TeilnehmerInnen – Frauen wie Männer – gleichberechtigt und mit ihren besonderen Wünschen einbringen können.
Sprache, Unterlagen und Veranstaltungsablauf bewusst gestalten
Geschlechtergerechte Sprache als Grundvoraussetzung gendersensibler Didaktik: Das Beispiel, das Lehrende durch ihre eigene Praxis geschlechtergerechten Sprechens undSchreibens geben, ist für Lernende eine wichtige Ressource, an ihrer eigenen Sprachpraxis zu arbeiten und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Lehrunterlagen ermöglichen einen gleichberechtigten Zugang zu Wissen und Inhalten und gewährleisten Transparenz hinsichtlich der behandelten Inhalte und Quellen. Damit sind gut durchdachte Lehrunterlagen an sich bereits ein wichtiger Beitrag zurGendersensibilität. Lehrunterlagen sind außerdem ein wichtiges Feld, sich bewusst um eine für Frauen und Männer gleichberechtigte Gestaltung zu bemühen, z.B. durch folgende Maßnahmen:
- Geschlechtergerechter Sprachgebrauch
- Lehrunterlagen strukturiert aufbauen
- Literaturangaben und Hinweise, wie Lernende sich selbst über das Themainformieren oder weiterbilden können
- Vornamen von AutorInnen ausschreiben, um die Sichtbarkeit (von Frauen) zu fördern
- Klarstellen, aus wessen Perspektive Sachverhalte dargestellt werden
- Erkenntnisse aus der Genderforschung einbeziehen (Geschlechteraspekte nicht additiv,sondern durchgängig integrieren)
- Lebensrealitäten und Interessenslagen von Frauen und Männern integrieren undGeneralisierungen von einem auf das andere Geschlecht vermeiden
- Gesellschaftliche Kontexte so weit wie möglich einbeziehen
- Vermeintlich „weibliche“ und „männliche“ Wissensgebiete und Themen, Lebenserfahrungenund Forschungsfragen nicht hierarchisierend bewerten.
Abläufe bewusst planen: Für die Zielsetzungen gendersensibler Didaktik ist es entscheidend, dass sich die TeilnehmerInnen in Lehrangeboten wohl fühlen, sich gegenseitig respektieren und Interessehaben, sich miteinander auszutauschen und damit von anderen TeilnehmerInnen und der Gruppe als solcher profitieren. Gindl und Hefler empfehlen folgende Möglichkeiten, um eine optimale Lernkultur herzustellen:
- Anfangssituation gestalten, z. B. mit einer Vorstellungsrunde verankern, dass sich jede/r TeilnehmerIn Raum nehmen darf
- Abwechslungsreiche Gestaltung, z. B. Wechsel zwischen Vortrag, Diskussion im Plenum, Arbeitsgruppen …
- Zeit für Unterbrechungen einplanen, z. B. für Anliegen von TeilnehmerInnen
- Abschlusssituation bewusst gestalten – z. B. um genügend Zeit für Feedback lassen
Inhalte zu Gender Raum geben
Die ausgewählten Lehrinhalte bestimmen wesentlich den Charakter von Lehrangeboten. Oft wird dabei aber auf „Altbewährtes“ zurückgegriffen, das zwar meist geschlechtsneutral gemeint ist, in der Regel aber von einem verengenden und geschlechterstereotypen Blick auf inhaltliche Fragestellungen geprägt ist.
Gendersensible Didaktik ist auf explizite inhaltliche Angebote zum Genderthema angewiesen!
Es ist unverzichtbar, bewusst nach bislang zu kurz gekommenen Inhalten aus der Genderforschung zu suchen und diese zu integrieren. Das ist auch bei Lehrangeboten möglich, die scheinbar keinen Zusammenhang mit Gender haben, weil vordergründig weder Frauen noch Männer vorkommen (z. B. Naturwissenschaften oder Technik). Ergebnisse der Genderforschung bieten den Lernenden die Möglichkeit, allgemeine, „lebensweltliche“ Anschauungen zu Gender sowie bisher geteilte Ansichten zu überprüfen und zu differenzieren, sie in neue Kontexte zu stellen oder zu verändern.
Eine Literaturliste mit genderrelevanter Fachliteratur für verschiedene Disziplinen wie Naturwissenschaften, Technik, Medizin, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften etc. wurde von den Vortragenden zur Verfügung gestellt.
Kontakt für Anfragen zur Literaturliste und zum „Leitfaden für gendersensible Didaktik“:
Mag.a Michaela Gindl
Donau-Universität Krems, Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies
Email schreiben
Mag. Günter Hefler
3s research laboratory
Email schreiben
Der Beitrag wurde am Montag, den 26. Februar 2007 um 19:35 Uhr von Ursula Weilenmann veröffentlicht und wurde unter Gender Mainstreaming, Gender und Bildung, Pädagogik, Veranstaltungen, FH Campus Wien, GENDER SALON abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Trackbacks sind derzeit nicht erlaubt.






















