15. Juni 2007

15:34 Uhr
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7. GENDER SALON: Gender- und diversitygerechte Didaktik an Hochschulen

7. GENDER SALON

Im Rahmen des 7. GENDER SALONS am 13. Juni an der FH Campus Wien diskutierte Dr.in Grudrun Perko, Philosophin und Lehrbeauftragte an der Uni Wien und und der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin, mit zahlreichen interessierten TeilnehmerInnen über gender- und diversitygerechte Didaktik an Hochschulen. Ziel der Veranstaltung war es, Inhalte und Zielsetzungen einer gender-gerechten und diversitygerechten Didaktik in deren Zusammenhang zu vermitteln.

Wozu überhaupt Gender Mainstreaming und Diversity Management? Gudrun Perko bringt es auf den Punkt: „Es gibt weder geschlechtsneutrale noch homogene soziale Räume“.

Alles gleichzeitig: Gender und Diversity

Die gesetzliche Verpflichtung, Gender- und Diversity-Gerechtigkeit gegenüber Menschen auf allen Ebenen auch in den Hochschulen umzusetzen, ist nicht neu. Neu ist aber der intersektionelle Ansatz, der davon ausgeht, dass Gender in Wechselbeziehung zu allen anderen personenbezogenen Merkmalen steht.
Ziel ist es, allen Lernenden in ihrer Vielfalt optimale Lernerfolge zu ermöglichen. Der Lehrraum spiegelt quasi als Mikrokosmos die Diversität der Gesellschaft wieder.
Perko betont ausdrücklich die Wichtigkeit der Einbeziehung  aller Ebenen in der Lehre – der individuellen, institutionellen und gesellschaftlichen –, um gender- und diversitygerecht handeln zu können. Ein besseres Lernklima und gute Lernerfolge können von der Notwendigkeit einer gender- und diversitygerechten Didaktik überzeugen.

„Fehlendes Wissen und mangelhafte Erfahrung der Lehrenden verunsichern auch und das führt manchmal zu einer übertriebenen ’political correctness’, die einen natürlichen Umgang mit Vielfalt verhindert“, sieht Perko eine Gefahr.

 

Gender- und Diversity in der Praxis: „Eine Frau mit Kopftuch“

Das Bewusstsein für die eigene, durch Sozialisation erlernte „Genderbrille“ hilft Geschlechter-Stereotype wahrzunehmen und idealerweise aufzubrechen.

Werden eigene Zuschreibungen einer „Frau mit Kopftuch“ kritisch hinterfragt, so werden laut Perko bereits Gender und Diversity berücksichtigt.

Gender- und diversitygerechte Didaktik soll Vielfalt bewusst machen und von verallgemeinernden Zuschreibungen wie  „Frauen sind technisch unbegabt“ wegführen. Gender und Diversity als sensible Querschnittsmaterie Gender-und diversitygerechte Didaktik umfasst auf der einen Seite inhaltliche Schwerpunkte wie gendergerechte Sprache, DozentInnenverhalten, Lehr- und Lernmethoden und auf der anderen Seite Handlungsfelder wie direkte und virtuelle Lehre, Sprechstunden, Exkursionen.

„Alle Diverstitätsfelder gleichzeitig zu berücksichtigen, ist ein Anspruch, dem niemand gerecht werden kann“, grenzt Perko ein. Allerdings sollen die Wechselwirkungen zwischen Gender und einzelnen Merkmalen bewusst gemacht werden. Wichtig ist aber nicht nur die Reflexion, sondern vor allem daraus Konsequenzen zu ziehen.

Und: Nicht zu diskriminieren, setzt Wissen voraus, beispielsweise, dass die Bezeichnung „behindert“ von vielen Betroffenen als diskriminierend empfunden wird und im aktuellen Diskurs der Betroffenen von „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“ die Rede ist.

Studierende dürfen die Berücksichtigung einzelner Bedürfnisse auch nicht soweit spüren, dass sich Einzelne aus der Gruppe „vorgeführt“ fühlen und durch eine „besondere Behandlung“ isoliert werden. Das wäre erst recht diskriminierend.

 

 "Bleibt eine Formel eine Formel?“

Bei den Lern- und Lehrmethoden steht ein ganzheitliches Methodenverständnis im Vordergrund, das neben kognitiven auch emotional-affektive und körperbezogene Methoden wie z.B. Rollenspiele einbezieht. Gibt es Lehrinhalte – etwa technische – die nicht gender- und diversity-gerecht vermittelbar sind?

Gudrun Perko weiß, dass der klassische Einwand gegen die gender- und diversitygerechte Vermittlung einer mathematischen Formel ist: „Eine Formel bleibt eine Formel – und hat nichts mit Menschen zu tun“.Es geht nach Perko nicht darum, aus „eins plus eins sieben zu machen“, sondern andere Zugänge der Vermittlung zu finden und allen Lerntypen zu entsprechen. Eine Formel könnte etwa durch Analogien verständlich gemacht werden.

Durch sensibilisiertes Bewusstsein und Hilfsmittel wie Checklisten ist die Umsetzung von gender- und diversitygerechter Didaktik jedenfalls möglich und auch Sprungfeder für den persönlichen Erfolg als Lehrperson. 

Downloads:

Kontakt: 

Dr.in Gudrun Perko
www.perko-profundus.de




Der Beitrag wurde am Freitag, den 15. Juni 2007 um 15:34 Uhr von Sonja Wallner veröffentlicht und wurde unter Downloads, Gender Mainstreaming, Veranstaltungen, FH Campus Wien, GENDER SALON abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Trackbacks sind derzeit nicht erlaubt.

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